Jeder und jede kann Pilze sammeln
Sammmeltipps der amtlichen Pilzkontrolleure
Gerade zu Beginn der Wildzeit erfährt auch das Pilzesammeln Hochkonjunktur. Helene Schneider und Hans Wysser, beide seit Jahren für die Pilzkontrolle in den Bödeligemeinden zuständig, geben Tipps zum richtigen Sammeln. Und erzählen, was der Pilzsammler besser bleiben lässt.
Die Bedingungen sind dieses Jahr hervorragend. Das oftmals feuchte Wetter begünstigt das Wachstum der Pilze hierzulande – und mit der Wildsaison und der Herbstküche steigt bei manchem der Appetit nach einem feinen Pilzgericht. Dafür, dass nur auf den Tisch kommt, was auch wirklich essbar ist, sorgt die Pilzkontrolle. Es ist zwar schon seit längerem nicht mehr obligatorisch, die Pilze, welche für den Verkauf bestimmt sind, durch den Fachmann oder die Fachfrau prüfen zu lassen. Die Institution Pilzkontrolle ist jedoch auf dem Bödeli nicht mehr wegzudenken. Und ratsam ist ein Check-up des Sammelkorbes vor dem Verzehr alleweil. Nicht zuletzt, weil der Pilzsammler von den ausgewiesenen Spezialisten wertvolle Ratschläge mit auf den Weg bekommt. Die Gemeinden Beatenberg, Bönigen, Därligen, Habkern, Interlaken, Iseltwald, Matten, Ringgenberg, Unterseen und Wilderswil sorgen gemeinsam dafür, dass auf dem Bödeli eine amtliche Pilzkontrolle aufrechterhalten wird. Walter Matter, Hans Wysser und Helene Schneider stehen ausserhalb der Schonzeit, diese findet jeweils vom 1. bis zum 7. Tag eines jeden Monats statt, zu fixen Zeiten (siehe Kasten) im Werkhof Unterseen für die Anliegen der Pilzsammler zur Verfügung. Gegenüber dieser Zeitung erzählen zwei von ihnen, was es beim Sammeln zu berücksichtigen gilt, und wo Interessierte weiterführende Informationen beziehen können.

- Seit vielen Jahren für die Pilzkontrolle in Unterseen zuständig: Helene Schneider …

- … und Hans Wysser. Der dritte im Bunde ist Walter Matter. Fotos: Christoph Buchs
Nur in luftdurchlässigen Körben
Allgemein stellen Helene Schneider und Hans Wysser fest, dass der Naturtrend auch vor dem Pilzesammeln nicht haltmacht: «Jeder und jede kann Pilze sammeln», so Hans Wysser. Und dementsprechend wird dieser Freizeitbeschäftigung nachgegangen. Wichtig ist jedoch, dass man sich vorher, nebst dem Überblick über die wichtigsten Giftpilze auch das Sammler Einmaleins zu Gemüte führt. «Die Leute bringen die Pilze in den verschiedensten Arten von Behältnissen», erzählt Helene Schneider. Plastiksäcke, Kübel, Papiertüten – manchmal befindet sich auch gleich «der halbe Wald» noch beim Sammelgut. «Pilze sollten immer in luftdurchlässigen Körben transportiert werden», führt Schneider aus. Die Sammelmengen, zwei Kilogramm pro Kopf und Tag, hingegen werden meist gut eingehalten. Genauso verhält es sich mit der Sperrzeit. Bei der Wahl der Pilze sind jedoch noch Verbesserungen möglich. «Die meisten sammeln die Pilze, die sie kennen», so Wysser. Leistlinge, Eierschwämme und Steinpilze. Dabei gibt es in unseren heimischen Wäldern weit mehr geniessbar Speisepilze als die drei oben genannten Favoriten. «Manchmal reisst jemand auch einen Pilz in der Annahme aus, es sei ein Steinpilz. Merkt das dem nicht so ist, und schmeisst den Pilz einfach wieder zurück in den Wald», erzählt der leidenschaftliche Pilzspezialist. «Dabei handelt es sich um einen flockenstieligen Hexenröhrling oder einen Anhängselröhrling – ebenfalls gute Speisepilze.» Es ist durchaus nicht verboten, mit Pilzen, die man nicht kennt in der Kontrolle zu erscheinen und sich aufklären zu lassen. Vielleicht gewinnt man so sogar einen neuen Favoriten auf dem eigenen Speiseteller. Generell gilt aber: Wer sich eines Pilzes nicht sicher ist, der lässt ihn besser stehen.
Keine zu kleinen Pilze sammeln
«Oft steht auch nur die Grösse oder das Gewicht des gesammelten Pilzes im Vordergrund», sagt Helene Schneider. Dabei sind Riesenpilze selten geniessbar, oft sind sie alt, schimmlig oder gar verwurmt. Ein weiteres Phänomen, das vor allem im Zusammenhang mit den bekannten Sorten auftritt, ist dass die Pilze zu klein abgelesen werden. Wahllos wird bei einem Fund einfach alles in den Korb gepackt, was da ist. Dabei nimmt man so den Pilzen die Chance auf das Absporen und verhindert deren Fortbestehen. Es zeichnet einen begnadeten Pilzsammler auch aus, wie er die Pilze aus dem Wald zurückbringt. Sie sollten immer ausgedreht und nicht aus dem Boden gezogen werden. Ausserdem sollten Pilze – besonders Steinpilze – bereits am Fundort ausgerüstet werden. Das Gerüstete gibt man in das Loch, das beim Pilz ausdrehen entstanden ist, und deckt es vorsichtig zu. Das verhindert Schäden am Mycel, dem Wurzelnetz, das Pilze unterirdisch ziehen. Viele nützliche Informationen finden Pilzfreunde auf der Seite der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane www.vapko.ch. Der Besuch eines Kurses hat ausserdem noch nie jemandem geschadet. Auch die Pilzkontrolleure beantworten gerne Fragen und geben nützliche Ratschläge.
Amtliche Pilzkontrolle
Das Team der Pilzkontrolle prüft seit Ende Juli im Werkhof Unterseen an der Beatenbergstrasse 30 die Pilzfunde jeweils am Montag, Mittwoch und Samstag sowie am 8. und letzten Tag jeden Monats von 18.30 bis 19.00 Uhr. Für private Sammler werden 2 Franken pro Kontrolle verrechnet. Sammler, die ihre Pilze weiterverkaufen, bezahlen 2 Franken pro kontrolliertes Kilogramm. Für das Ausstellen eines Kontrollscheins wird 4 Franken berechnet. (it)
Sammeltipps
- Zum Sammeln nur Körbe verwenden, die eine gute Durchlüftung gewährleisten und in denen Pilze nicht zerdrückt werden. Nie Plastiktaschen! Darin zersetzen sich die Pilze rasch und auch Speisepilze können dadurch giftig werden.
- Schon im Wald die gesammelten Pilze von anhaftender Erde und Nadeln befreien. Darauf achten, dass die besonderen Merkmale wie Stielbasis et cetera nicht beschädigt werden. – Nur Pilze pflücken, die in einwandfreiem Zustand sind. Madige oder von Ungeziefer angefressene Exemplare sind keine Speisepilze.
- Weder giftige noch ungeniessbare Pilze vernichten. Auch diese erfüllen eine wichtige Aufgabe in der Natur. – Seltene Pilzarten sind zu schützen.
- Ganz junge oder zu alte Pilze stehen lassen.
- Es ist unsinnig, Pilze in Unmengen zu sammeln. Die kantonalen und kommunalen Sammelbestimmungen sind zu beachten.
- Von unbekannten Pilzen genügen zwei oder drei Exemplare zur Bestimmung. Beim Pflücken sorgfältig aus dem Boden drehen, um die Stielbasis nicht zu verletzen. Standort und Begleitvegetation notieren. Getrennt von der restlichen Pilzernte aufbewahren, zum Beispiel in separaten Schalen, Zeitungspapier oder Alufolie.
- «Hausmittel», wie Silberlöffel- oder Zwiebeltest, oder die Aussage, dass angefressene Pilze ungiftig seien oder dass Pilze durch Kochen ungiftig werden, sind reine Ammenmärchen.
- Legen Sie alle gesammelten Pilze nach Arten getrennt zur Kontrolle vor.
- Nur Pilze essen, die kontrolliert worden sind. Nur mit einwandfrei bestimmten und kontrollierten Pilzen ist man vor Vergiftungen geschützt.
- Im Allgemeinen auf den Konsum roher Pilze verzichten. (pd)







